Was genau ist Seide und welche Eigenschaften hat sie?

Seide

Was ist Seide?

Seide ist eine tierische Naturfaser und bezeichnet die Fasern, die ausschließlich aus Kokons der seidenspinnenden Raupen gewonnen werden. Verwendbar sind die Seidenfäden nur von den Seidenraupen einer bestimmten Schmetterlingsart, dem Maulbeerspinner. Diese Nachtfalter erhielten ihren Namen durch die Nahrungsaufnahme von Blättern des Maulbeerbaums. Wildseide erhält man von den Schmetterlingsarten „Eichenseiden-Spinner“ und Tussahspinner, die aus der Familie der echten Spinner stammen. Seide ist somit ein Naturprodukt.

Die Herkunft von Seide

Hergestellt wird das Seidengarn überwiegend in China, Japan und Indien. Die Geschichte des Naturprodukts geht bis ins dritte Jahrtausend vor Christus auf den chinesischen Kaiser Fu Xi zurück, der einer Sage nach auf die Idee gekommen sein soll, mithilfe von Raupen Seidenstoffe herzustellen.

Die unterschiedlichen Seidenarten

Aus dem Seidengarn werden verschiedene Stoffe gefertigt. Dazu gehören unter anderem:

  • Chiffon 
  • Satin
  • Taft
  • Jacquard 
  • Brokat

Haspelseide

Haspelseide hat eine besonders glatte und glänzende Oberfläche aufgrund sehr langer und homogener Fäden. Die Seide stammt von der Seidenspinnerraupe Maulbeerspinner, die das dünnste und festeste natürliche Seidengewebe spinnt. Aus einem Kokon lässt sich ein Drittel hochwertiger Haspelseide gewinnen. Das übrige Seidengewebe reißt schneller und wird zu Bouretteseide verarbeitet.

Bouretteseide

Die kürzeren Seidenfäden der Maulbeerseide werden zu einem unregelmäßigen, leicht noppigen Garn versponnen. Bouretteseide hat einen hohen Anteil an natürlichem Seidenleim, der als hautberuhigend und heilend gilt sowie einen charakteristischen heuartigen Geruch und einen stumpfen Glanz hat.

Doupionseide

Doupionseide ist eine Mischung aus den unterschiedlichen Seidenqualitäten Maulbeerseide und Wildseide oder Bourretteseide. Dabei handelt es sich um besonders festes und dichtes Seidengewebe mit einem Schimmer und besonderem Faltenwurf.

Wildseide/Tussahseide

Die Rohseide für dieses Gewebe stammt von der Seidenspinnerraupe Eichblattspinner. Es hat einen bräunlich goldenen Schimmer, bleibt oft im Naturton. Häufig weist Wildseide leichte Garnunregelmäßigkeiten auf, was eine noppige Oberfläche verursacht. Wildseide kann mit Schon- oder Handwäsche gewaschen werden.

Die Herstellung von Seidenstoffen

Die Seidenraupen werden in kleine Spinnhütten aus Reisig, Stroh, Ginster und Heidekraut gelegt, was sie als Gerüst nutzen können. Drei Tage dauert der Spinnvorgang, in welchem die Raupe ihren Kokon baut und sich mittels zweier Endlosfäden einspinnt und verpuppt. Diese Fäden wickelt sie rund 100.000 Mal um sich herum. Die Fäden erreichen eine Länge von bis zu drei Kilometern, der Kokon eine Größe von 3 bis 6 Zentimetern. Nach eineinhalb Wochen werden die Kokons hohen Temperaturen ausgesetzt, wodurch die Puppen abgetötet werden. Daraufhin werden die Kokons in warmem Wasser gebürstet, um die Anfänge des Fadens ausfindig zu machen. Bei den Wildseidenarten werden die Kokons erst nach dem Schlüpfen des Schmetterlings gesammelt und dann wie die Bouretteseide verarbeitet. In China gibt es einige wenige Arten, bei denen in diesem Vorgang sogar Haspelseide gewonnen werden kann. Als nächstes wird die Seide durch Spulvorrichtungen von dem Kokon abgewickelt. Dieser Vorgang nennt sich „Abhaspeln“. Die Temperatur des Wassers fördert das Erhärten des Seidenleims und aus den beiden Fäden im Kokon wird ein einzelner Doppelfaden gesponnen. Dieser Faden nennt sich Grège- oder Ecruseide. Aufgrund des Seidenleims ist das Material zu Beginn noch beigefarben, verhältnismäßig glanzlos und verhärtet. Nun wird der gewonnene Faden „filiert“, also gezwirnt, und daraufhin mit weiteren filierten Fäden zu einem dickeren Faden vereint, um eine ausreichende Dicke und Stabilität zu erreichen. Anschließend wird der Faden in einer Seifenlauge gebadet, wobei circa 12 Prozent des Gewichtes verloren gehen.
Für den Verkauf nach Gewicht werden beim Einfärben der Seide Metallsalze und Wasserglas (wasserlösliche Natrium-, Kalium- und Lithiumsilicate) hinzugefügt, um das Seidengewebe künstlich zu beschweren. Übersteigt das Gewebe dadurch das ursprüngliche Gewicht, wird die Seide spröde und verliert ihre Haltbarkeit. Deshalb ist es wichtig, darauf zu achten, dass das für Kleidung verwendete Gewebe hochwertig ist.

Wie kann ich Seide reinigen?

Aufgrund ihres hohen Eiweißgehalts ist Seide sehr empfindlich gegenüber UV-Strahlung, Schweiß, Hitze, Säuren und Laugen und benötigt daher eine aufwändige Pflege. In den meisten Fällen muss Seidengewebe chemisch gereinigt werden, also professionell durch eine Reinigungsfirma, um den Glanz und die Haltbarkeit der Stoffe zu gewährleisten. Für waschbare Seidenstoffe wird eine Hand- oder Schonwäsche mit entsprechendem Spezialwaschmittel empfohlen. Nasse Seide darf weder gerieben, noch gewrungen oder geschleudert werden. Haben Sie beispielsweise Ihre Seidenbluse gewaschen, drücken Sie sie vorsichtig auf trockenen Handtüchern aus und hängen sie feucht zum Trocknen auf.

Die Besonderheiten von Seide

Seidengewebe verfügt über einen eigenen natürlichen Glanz und ist verglichen zu Baumwolle oder Leinen knitterarm. Seide besteht aus einem feinen und leichten Stoff, der schnell trocknet und einen temperaturausgleichenden Effekt hat – das sorgt für das ideale Wohlfühlklima auf der Haut. Typische Produkte aus Seide sind Modeartikel wie Abendgarderobe, Dessous, Brautmode oder auch Heimtextilien wie Kissen, Bettwäsche, Gardinen und Schals – entdecken Sie tolle Seidenprodukte im BADER-Onlineshop.